Durchkreuzte Idylle

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Durchkreuztes Idyll, so fühlen wir uns gerade.

Ich schätze an Blogs so sehr, dass es sowohl möglich ist, sein Leben oder einen Teil daraus darzustellen, als auch Beiträge einzustellen, ohne dass die Persönlichkeit dahinter in Vordergrund tritt. Genau zweiteres bevorzuge ich, auch wenn durch den Beitrag natürlich immer der Mensch hindurch schimmert. Aber grundsätzlich ist es egal, ob ich jung oder alt, männlich oder weiblich, mit Kindern oder ohne lebe, welche Ausbildung ich habe und welchen Job ich mache.

Heute ist Ausnahmezustand. Heute Nacht wurde mein großer Sohn bedroht und ausgeraubt. Vor unserer Haustür.

Um es vorweg zu nehmen: er ist körperlich unversehrt, es hätte ganz anders kommen können. Die Täter waren jung, sie waren betrunken, sie hatten einen Teleskop-Schlagstock dabei. Und nein, wir wohnen wahrlich nicht in einer gefährlichen Gegend. Wir wohnen in einem durchmischten Randgebiet, spießig und langweilig, Mietshäuser und Reihenhäuser, keine Villen, hochgeklappte Bürgersteige nachts. Dass hier immer wieder in der Gegend eingebrochen wird, ja, auch dass Fahrräder vor dem Esszimmerfenster geklaut werden und die S-Bahnstation nachts kein lustiger Ort ist, alles bekannt. Aber ausgeraubt und vor der Haustür?

Sie konnten von der Polizei gefasst werden, der eine war auch bereits polizeilich bekannt.

Und wie geht es jetzt weiter? Auf der einen Seite mein Sohn, der durch seine Fähigkeit, im Zweifelsfalle viel und gut reden zu können, die Situation deeskalierte, der aber dennoch jetzt mit der Angst und der Bedrohung umgehen muss. Und die Tatsache, dass die Täter wissen, wo er wohnt, macht es nicht ungefährlicher. Wäre es besser gewesen, die Situation hinzunehmen und die Polizei nicht zu rufen? Nein, dann bleibt man Opfer. Aber bringt man sich damit in eine noch gefährlichere Lage? Ein Urvertrauen, eine Sicherheit ist gebrochen. Die Bedrohung ist hier eingezogen, sitzt mit am Tisch und mischt sich in die Gedanken und Gespräche.

Auf der anderen Seite sagt er selbst, dass sie ihm fast leid taten. Wie kann man sie da rausholen, aus dieser Spirale? Was kann man gesellschaftlich tun, was persönlich? Klingt es naiv? Ich bin sicherlich naiv, denn ich glaube trotzdem an das Gute im Menschen. Vielleicht kann man damit der Angst etwas entgegensetzen.

Warum es hier in meinem Blog auftaucht, weiß ich selber nicht genau. Es geht mir nicht um Selbstdarstellung. Vermutlich ist es Hilflosigkeit und das Gefühl, sich nicht damit vergraben zu dürfen. Vielleicht um Abstand bekommen zu können. Vielleicht ist es mein Fundstück des Tages, wenn auch kein schönes.

4 Gedanken zu “Durchkreuzte Idylle

  1. Es tut mir sehr leid was Deinem Sohn passiert ist. Gut, dass er wenigstens körperlich unversehrt ist, aber die Angst wird bestimmt noch eine Zeit bleiben. Ich denke, dass es richtig war die Polizei zu rufen. Ein Teleskop-Schlagstock ist ein Waffe, es hätte auch anders ausgehen können. Alles Gute für Euch.

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  2. Gewisse Dinge muss man sich einfach auch mal von der Seele schreiben. Wahrlich absolut kein schönes Gundstück, aber eines, welches euch alle wohl noch eine Weile beschäftigen wird. Alles Liebe und viel Kraft!

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